1000 Jahre Tüntenhausen

Die kurze Ortsgeschichte ist ein Auszug aus dem 8. Jahrgang 1931 der Frigisinga. 994-1005 erscheint der Name des Dorfes erstmals in einer Schenkungsurkunde des Bischofs Gottschalk von Freising. Der Ort wird dann mehrmals als Tinttenhausen, Tingkenhausen, Dunkenhausen, Dintenhausen erwähnt, bis 1312 der Bischof Gottfried von Freising die Inkorporation vollzieht in das Prämonstratenser - Kloster Neustift, die bis 1802 anhält, als die unselige Säkularisation dem eifrigen, segensreichen Zusammenwirken der Chorherren im weißen Habit mit dem Volke Gottes in Tüntenhausen ein jähes Ende setzt. Geografisch liegt das freundliche Dorf an der B 301, der „Deutschen Hopfenstraße“ Freising-Mainburg bei km 3,5 auf einer „Dinte“ - einer Bodenwelle - in 500 m Meereshöhe.

Eine St.-Michaels-Kirche ist erstmals im Konradinschen Matrikel 1315 erwähnt, dürfte aber, wie der Friedhof, wesentlich älter sein, da doch alle Peters- und Michaelskirchen in die Frühzeit der Christianisierung fallen. Der gegenwärtige Bau ist „lokal das erste Bauwerk unter dem Einfluss der Landshuter Bauhütte“. Sein Turm trug ehemals eine Pyramide und weist eine interessante Friedhofsleuchte auf. Abt Matthias Widmann von Neustift (1692 bis 1721) gilt als Hauptgestalter der Barockisierung; er setzte dem Turm die Barockkuppel auf. Sein Wappen: Mann mit Anker und Schlüssel“ ist am Chorbogen verewigt. Eine alte Glocke: „1460 Meister Andre“ (Ton as) ist von allen Zugriffen verschont geblieben.

Unsere heutige Michaelskirche mit Langhaus, Tonnengewölbe, Stichkappen, schmalem, lang gestrecktem und hochgezogenem Chor, dem Turm an der Südseite der Kirche mit spitzbogigen Blendarkaden gehört ins 14. Jahrhundert, wo auf dem Domberge die Kirchen zum Hl. Johannes und St. Benedikt erbaut wurden. Die gotische Inneneinrichtung ist Ende des 17. Jahrhunderts entfernt und zerstört worden. Einziger Rest dürfte das aus dem Jahre 1500 stammende Kreuz sein, das ursprünglich wohl im Chorbogen hing und jetzt in der Friedhofskapelle einen Ehrenplatz einnimmt. Vom Freskenschmuck (1520-1550) ist nur ein Reststück links vom Eberhardsaltar erhalten. Das ehemalige Hochaltarbild „St. Michael“ (18. Jahrhundert) stammt wohl von Engelbert Rottmayr, Freising, die jetzige Statue von Johannes Schreiber in Freising. Die ANNA-SELBDRITTGRUPPE am rechten Seitenaltar wurde 1613 gestiftet. Der Hochaltar hat gewundene Säulenpaare, die Seitenaltäre haben glatte Säulen, dafür als Bekrönung einzigartige Barockengel, der Eberhardsaltar gewundene Säulen. Erwähnt sei noch das Tafelbild „Die Heilige Sippe“ mit dem Stifter, ferner die Altöttinger Muttergottes aus Stein, die sich jetzt im Aussegnungshaus des Friedhofes befindet. 1764 erhielt die Kirche den Kreuzweg und 14 ungewöhnlich flott gemalte Bilder, farblich sehr dekorativ: „DER HERR und SEINE APOSTEL“, wahrscheinlich stammen sie aus dem Klosterrefektorium Neustift; sicher auch der geschnitzte Chorstuhl. Die Äbte von Neustift feierten die Feste Maria Heimsuchung, Maria Geburt und das Eberhardsfest mit ganzem Klosterkonvikt und den Hofmarksleuten.

Abt Matthias von Neustift trug viel zur Hebung der Wallfahrt durch Verbreitung von Bildern bei; wir wollen in seine Fußstapfen treten durch Gestaltung dieses Kirchenführers, zur größeren Ehre Gottes und seiner Heiligen.

Seltsamerweise, jedoch nicht zufällig, stehen zwei Zeugen am Eberhardsaltare: der Heilige Norbert und der Heilige Hermann Josef.

Der Heilige Norbert (1085-1134), am Hofe des Kaisers Heinrich V. verweltlicht, durch Lebensgefahr umgewandelt, Kanoniker in Xanten und Köln, gründete 1121 in Praemontre bei Laon in Frankreich den Orden der Norbertianer, auch Prämonstratenser genannt - Skapulier und Zingolum von weißer Wolle -. Er wurde Erzbischof von Magdeburg; seine Gebeine ruhen aber in Prag. Er gilt als Patron von Böhmen und Helfer für eine glückliche Entbindung. Der Heilige Hermann Josef ist der größte Heilige des Prämonsträtenser-Ordens. Dieser Orden hatte das Kloster Neustift 500 Jahre inne und pastorisierte von dort aus Tüntenhausen.

Der Orden mit den weißen Habiten ist verewigt in einem Tafelbild von der Übertragung der Reliquien des Hl. Eberhard von Neustift nach Tüntenhausen. Zwei weitere Tafelbilder zeigen die Begrüßung von Pilgern am Altare des Hl. Eberhard, des Helfers in Nöten von Mensch und Vieh, und den Abschied, wo die Bäuerin Erde aus der Öffnung des Altares in die Schürze legt, während der Bauer sie im Hut verstaut. Ein Tafelbild zeigt die Pflanzung der Lärche, die im 6. Ableger heute noch steht und deren Zweige noch in unserer Zeit im Viehstall gegen Seuchen aufgesteckt wurden.

Wahrscheinlich hatte der Hirte Eberhard, als er noch lebte und wirkte und so vielen „an Leib und Seele“ half, eine hervorragende Kenntnis der Wirkung zahlloser Heilkräuter und auch die Redegabe, mit wenig Worten Seelenkonflikte der Mitmenschen zu lösen. Durch viele Jahrhunderte erhielten sich große Bittgänge aus nah und fern zu seinem Grabaltare. Heutzutage bewundern viele Besucher die wohltuende Harmonie des Kircheninneren mit dem Eberhardsaltare, der von dem Freisinger Hofbildhauer Mallet erdacht und ausgeführt wurde.

Im Feiertagskleide der glücklichen Erneuerung lockt das Bauwerk von außen die Fahrer der Bundes-Straße 301 an, nimmt sie auf, entlässt sie befriedigt als Kleinod des „einzigen Heiligen“ des LAND-Kreises Freising. Der Heilige Sturmius, sein Landsmann, stammte aus der heutigen Pfarrei Attenkirchen, war Schüler des Heiligen Bonifatius und zuletzt Abt von Fulda.

Der Geist Gottes weht, wo er will!

St. Sebastian, Beschützer des menschlichen Körpers, St. Florian, Hüter des Hauses und der Wohnung, seid uns nicht gram, daß wir Euch beide am Schlusse erwähnen, steht Ihr doch treu am Michaelshochaltare und hütet unser Dorf, unseren Land- und Stadtkreis Freising und unser Vaterland.

Ein herzliches Vergelt's Gott fürs Lesen!
 
 

 

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